Fabian Marti beendet eine beeindruckende Karriere

Fabian Marti (1)Nach reiflicher Überlegung hat Fabian Marti am Herbstschwinget in Schachen die Hosen an den Nagel gehängt. Somit geht eine Kariere mit Höhen und Tiefen zu ende. Bereits als Jungschwinger konnte er beachtliche Erfolge feiern. Gekrönt wurde die Schwingerlaufbahn mit dem Luzerner Kantonalen Festsieg 2014 in Ruswil sowie mit dem Gewinn des Innerschweizerischen Kranzes 2015 in Seedorf.

Das Schwingerlatein erlernte Fabian als 10jähriger Bursche beim Schwingklub Luzern und Umgebung. Schon früh wurde er vom Schwingfieber gepackt. Das zeigen die vielen Ranglisten und Zeitungsausschnitte, die seine Mutter Heidi über die Jahre gesammelt hat. Sie war immer eine treue Begleiterin und kritische Beobachterin, wenn Fabian im Einsatz stand. In der ganzen Innerschweiz, Westschweiz und im Berner Verbandsgebiet eiferte er an den Schwingfesten um die Siege. Anfänglich waren seine Erfolge noch mässig. Doch seine angriffige Schwingweise, gepaart durch sein Talent und die Spezialschwünge Kurz und Brienzer brachten ihm schon bald die ersten Auszeichnungsgewinne ein. Bereits in jungen Jahren stieg er gegen bekannte Grössen wie Ueli Banz, Roman Emmenegger, Alain Müller, Ivo Laimbacher und Hanspeter Luginbühl in die Zwilchhosen. 

Fabian, der Hasler Fan

Zitat aus der Luzerner Zeitung vom 6. Mai 1997 „Seit vier Jahren schwingt der Hasler Fan Fabian Marti beim Schwingklub Luzern. Sein Onkel Willi ist Kranzschwinger und noch heute beim Schwingklub Wiggertal aktiv. Doch zum Schwingen kam Fabian durch einen Kollegen, der ihn eines Tages zum Training mitnahm. Weil ihm dieser Sport von Anfang gefiel, blieb Fabian dabei. Die Atmosphäre an Schwingfesten fasziniert ihn. Beim Joggen oder Skifahren träumt er von weiteren Siegen oder gar von einem Kranzgewinn.‟ Ende des Zitat.
Am legendären Buebeschwinget in Sigigen konnte Fabian 1994 mit seinem zweiten Schlussrang bereits zum ersten Mal ein Treichel in Empfang nehmen. Seinen ersten Sieg konnte er gemeinsam mit Andreas Lüönd 1996 am Buebeschwinget in Ruswil feiern. Im selben Jahr stand er am Luzerner Kantonalen Nachwuchsschwingertag in Escholzmatt gegen Roman Emmenegger im Schlussgang, dem er den Sieg überlassen musste. Ebenfalls am Luzerner Kantonalen Nachwuchsschwingertag in Ermensee 2002 stand Fabian im Schlussgang, musste den Sieg dem späteren Eidgenössischen Kranzschwinger Martin Koch zugestehen. Neben dem Schwingen faszinierten Fabian die verschiedenen Disziplinen im Nationalturnen. Mit seinem turnerischen Talent konnte Fabian an diversen Nationalturntagen brillieren und vordere Klassierungen feiern. Über 70 Zweige gewann er im Schwingen und Nationalturnen.

Kranzgewinn und Teilnahme am Eidgenössischen in Nyon

Einen überraschenden Erfolg konnte Fabian 2001 am Luzerner Kantonalen Schwingfest in Hergiswil b. Willisau feiern. Gegen den favorisierten Pius Bucher behielt er in einem spannenden Wettkampf durch abfangen des Kurzangriffes von Pius mit Kreuzgriff die Oberhand. Somit durfte er zum ersten Mal vor die Kranzjungfer treten. Dank weiteren guten Resultaten reichte ihm der Kranzgewinn zur Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest in Nyon. Für Fabian ein gutes Erlebnis, vor einer solchen imposanten Zuschauermenge im Blickpunkt zu stehen und Erfahrungen zu sammeln. Sein Ziel, am Sonntag auch noch Schwingen zu können ging dann nicht in Erfüllung. So setzte er seinen Blickpunkt auf das nächste grosse Ereignis, dem Eidgenössischen Schwingfest 2004 in Luzern. Trotz dem Kranzgewinn in Schenkon blieb ihm die Teilnahme verwehrt, was für Fabian eine grosse Enttäuschung war. Im Folgejahr feierte er in Ruswil einen weiteren Kranzerfolg. Dazwischen feierte er am Herbstschwinget in Schachen, trotz der Niederlage im Schlussgang gegen Martin Koch, seinen ersten Sieg bei den Aktiven.

Unterbruch infolge Arbeitsunfall

Infolge eines schweren Arbeitsunfall mit Rückenverletzungen musste Fabian 2007 für die nächsten Jahre auf Schwingfesteinsätze verzichten. Durch diverse Therapien stärkte er seinen Rücken wieder, so dass überhaupt wieder an wettkampfmässige Einsätze zu denken war. Im Jahre 2011 war Fabian wieder soweit, dass er vor heimischen Publikum am Bergschwinget in Schwarzenberg sein Comeback gab. Nach starkem Start musste er im fünften Gang unfallbedingt seinen Wettkampf abbrechen. Danach entschied sich Fabian für einen Klubwechsel und trat dem Schwingklub Rothenburg und Umgebung bei. Hier fand er mit seinem Freund Hanspeter Schnider einen geeigneten Trainingskameraden im Schwingen und Nationalturnen. So feierte er nach einer Durststrecke von sechs Jahren am Kantonalen Schwingfest in Wolhusen 2012 einen weiteren Kranzerfolg. Unvergesslich, wie er im zweiten Gang den Eidgenossen Bruno Müller mit seinem Brienzer rückwärts platt ins Sägemehl bettete. Im nachfolgenden Jahr liess er sich in Beromünster einen weiteren Kranz aufsetzen. Durch die Niederlage im fünften Gang gegen den Eidgenossen Ueli Banz verpasste Fabian die Schlussgangteilnahme. Durch die konstanten Leistungen in der Saison 2013 qualifizierte sich Fabian für das Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf. Gut vorbereitet stieg er dann am Samstagmorgen vor über 50000 Zuschauer in der sehr schönen Arena in die Zwilchhosen. Mit zwei Unentschieden und einer Niederlage verlief der Wettkampf nicht wie erhofft. Mit dem Sieg über Martin Knechtle sicherte er sich den sonntäglichen Einsatz. Mit einem Unentschieden und einer Niederlage musste er sein Wettkampfpensum nach sechs Gängen beenden.

Überraschender Luzerner Kantonal Festsieg in Ruswil

Fabian Marti (3)So wie beim Wein war es auch bei Fabian Marti, umso älter, umso besser. Der 1. Juni 2014 wird Fabian immer in guter Erinnerung bleiben. Am Luzerner Kantonalen Schwingfest in Ruswil gehörte er zum erweiterten Favoritenkreis. Dennoch muss für einen Sieg alles zusammen passen. Mit der Maximalnote zehn startete er über Christoph Achermann und Yves Schurtenberger hervorragend in den Wettkampf. Im dritten Gang musste er mit dem Eidgenossen Philipp Laimbacher in die Zwilchhosen steigen. In einem abwechslungsreichen und intensiven Wettkampf endete die Begegnung mit einem Unentschieden. Danach liess er sich zwei weitere Maximalnoten über Beat und Marco Fankhauser notieren. Somit stand Fabian nach fünf Gängen an der Ranglistenspitze. Mit dem Sieg im fünften Gang über Joel Wicki stand der einheimische Hansjörg Gloggner als sein Schlussganggegner fest. Gespannt warteten über 4000 Zuschauer auf die Endausmarchung. Beide hatten die Chancen, das Kantonale Schwingfest zum ersten Mal zu gewinnen. Fabian wehrte die Kurzangriffe von Hansjörg ab und versuchte mit seinen Brienzer Angriffen zu reüssieren. Der Kampf wog hin und her mit Siegesschancen auf beiden Seiten. In der elften Minute konterte Fabian den Gammenangriff von Hansjörg gekonnt mit einem Kurzangriff zum viel umjubelten Festsieg. Dabei schrieben die Medien von einem Sensationssieg, doch Fabian war ein Stimmungsschwinger. Wenn es ihm lief war er für jeden Gegner sehr gefährlich. Das zeigen auch die diversen Siege über die Eidgenössischen Kranzschwinger.

Saison 2015 gekrönt mit dem Innerschweizer Kranz

Trotz kleineren Verletzungssorgen stieg Fabian gut vorbereitet in das Schwingerjahr 2015. Bewusst wählte er die Schwingfeste aus, an denen er teilnehmen wollte. Somit konnte Fabian am Luzerner Kantonalen Schwingfest in Inwil einen weiteren Kranzerfolg feiern. Nachdem er verschiedentlich an Innerschweizerischen Schwingfesten knapp am Eichenlaub gescheitert ist, war dies nun sein grosses Ziel in Seedorf. Nach vier Gängen wies sein Notenblatt zwei Siege und zwei Niederlagen auf. Somit hiess seine Devise alles oder nichts. Mit dem Sieg im fünften Gang über den unbequemen Thomas Töngi kam er seinem Ziel schon näher. Im alles entscheidenden Gang musste er gegen den Urner Markus Zurfluh in die Zwilchhosen steigen. Trotz stetiger Überlegenheit gelang der siegbringende Wurf nicht. In der letzten Minute riskierte Fabian nochmals alles und mit einem wuchtigen Kurzzug konnte er sich am Abend mit dem Innerschweizerischen Kopfschmuck bekränzen lassen. In einer grossen Menschenmenge genoss er diesen schönen Erfolg. Mit 32 Jahren schmiedete sich der gelernte Zimmermann die Pläne für die Zukunft. Eine grosse Herausforderung wäre bestimmt das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer le Lac gewesen. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht. Dabei hörte er auch auf seinem Körper, was dann schlussendlich den Ausschlag auf das Karierenende bedeutete. Mit dem Sieg am Klubschwinget der beiden Schwingklubs Rothenburg und Oberseetal, sowie dem guten Resultat am Herbstschwinget in Schachen beendete Fabian seiner Schwingerlaufbahn. Er wird der Schwingerei erhalten bleiben, will er doch das eine oder andere Training mit seinen ehemaligen Klubkameraden bestreiten. Dabei können diese von seiner positiven Einstellung, dem angriffigen Schwingen und seiner Technik profitieren.

Fabian, wir danken dir für die vielen schönen Wettkämpfe, die du all in den Jahren im Sägemehl gezeigt hast. Für die Zukunft wünschen wir die mit Fränzi und deiner Tochter Lara alles Gute.

Bericht Walter Kammermann