2. Vorbericht Jubiläums-Chronik – 100 Jahre Schwingklub

Kantonales 1932 RothenburgAls zweiten Bericht aus unserer Jubiläums-Chronik, welche wir in losen Abständen auf unserer Homepage publizieren werden, veröffentlichen wir den Bericht über das erste Kantonale Schwingfest in Rothenburg, welches am heutigen Standort vom Schulhaus Lindau ausgetragen wurde.

 

 

 

13. Luzerner Kantonales Schwingfest 1932 in Rothenburg
Zum ersten Mal seit der Gründung erhielt der Schwingklub Rothenburg und Umgebung den Zuschlag für die Organisation des Luzerner Verbandsfestes im Jahre 1932 in Rothenburg. Witterungsbedingt musste das Kantonalschwingfest sogar zweimal verschoben werden. Nicht verwunderlich in diesem Zusammenhang der folgende Presseaufruf: „Auch an die liebwerten Schwingerfreunde von nah und fern appellieren wir angelegentlich, ihr Interesse an dieser Veranstaltung ungeschmälert entgegenzubringen und die festörtlichen Organe, die alles aufgeboten, um ihre Aufgabe restlos zu erfüllen, durch einen unverdrossenen Aufwand für die erlittene Unbill zu entschädigen. Frisch auf!“

Am frühen Sonntagmorgen, 5. Juni 1932, verkündeten dann Freudenschüsse die Austragung des Schwingfestes. Rothenburg hat sich als Festort für diesen schwingerischen Grossanlass, verbunden mit der 7. Zentenarfeier – 700 Jahre seit der Gründung des Städtchens Rothenburg – von der besten Seite präsentiert. Die Festorganisation lag in den Händen des Schwingklubs und des Turnvereins Rothenburg. Schon am Vormittag pilgerte eine stattliche Zahl von Sportfreunden auf den Festplatz auf der Konstanzhöhe an der Bertiswilstrasse, um die Arbeit der 135 von 169 gemeldeten Turner- und Sennenschwinger aufmerksam zu verfolgen. Sechs bewährte Urner Gästeschwinger ergänzten das Teilnehmerfeld, nachdem die Innerschweizer Kantone seit 1931 jeweils im Turnus eine Schwinger-Delegation am Luzerner Kantonalen stellen können.

Der vor dem Wettkampfbeginn auf 08.30 Uhr angesetzte Feldgottesdienst gab dem Festanlass einen würdigen Rahmen. Im Zuge der Veteranenehrung wurde beim Grab von Christian Schneider, Obmoos (1851 – 1925), auf dem Friedhof Bertiswil ein Kranz niedergelegt. Der aus Trub BE gebürtige Christian Schneider, Schwingerkönig am eidgenössischen Schwingfest 1883 in Bern, war einer der markantesten Schwingergestalten dieser Epoche.

Nach dem grossen, historisch geprägten Festumzug, nahm der Schwingerwettkampf im Ring seinen Fortgang. Über 2000 Personen verfolgten das Ausschwingen und den Ausstich. Nummerierte Sitzplätze konnten übrigens zum Preis von Franken 2.50 vorreserviert werden. Der Berichterstattung kann entnommen werden, dass im Allgemeinen rasch und technisch vorzüglich geschwungen wurde. So heisst es denn auch, dass die früher – speziell bei den Sennenschwingern – viel beobachtete und verpönte Knorzerei einer eleganteren, technisch reiferen Arbeit Platz gemacht habe. Die von den Verbänden organisierten Schwingkurse begannen Früchte zu tragen.

Die teils ergiebigen Regengüsse führten zu zeitlichen Verzögerungen, sodass die Dauer der Gänge auf fünf Minuten beschränkt wurde. Das führte zu etlichen unentschiedenen Gängen. Durch besonders starke Leistungen machten sich der Turnerschwinger Theodor Dietschi aus Luzern, die Gebrüder Heinrich und Hans Oswald von Rain, die Gebrüder Josef und Hans Buck von Baldegg, Josef Bühlmann, Luzern, ebenfalls Turnerschwinger, Picchetti Franz von Schüpfheim, sowie die beiden Recken Otto Röthlin, Luzern, und Josef Zihlmann, Malters, einen Namen.

Zum letzten und für den ersten Rang entscheidenden Gang reichten sich Theodor Dietschi und Heinrich Oswald die Hand. Ein flottes Paar, ein Turner und ein Senne. Oswald kurzte und beinahe wäre es um Dietschi geschehen gewesen. Es wurde neu gegriffen. Der Kampf ging weiter. Dann setzte aber Dietschi zum Kurzen an und zog, was das Zeug hielt – und zog zum platten Wurf. Es folgte stürmischer Applaus, der nicht nur dem Sieger, sondern wohl zum guten Teil auch dem Verlierer gegolten haben mag, so die offizielle Berichterstattung.

Trotz der misslichen Wetterverhältnisse verlief der Wettkampf ohne Zwischenfälle. Rangverkündigung und Preisverleihung fanden mit einiger Verspätung um 19.00 Uhr mit einer markanten Schlussansprache des Präsidenten des Luzerner Kantonalen Schwingerverbandes, Philipp Muff, statt. Aus dem reich dotierten Gabentempel, der den Rothenburgern alle Ehre machte, erhielt jeder Konkurrierende ein zumindest wertvolles Andenken. Ausserdem nahm manch einer – als unliebsame Beigabe – ein Schuh voll vom Festplatz mit nach Hause, offenbar auch der Berichterstatter selbst.

Auf der Gabenliste figurierte als Siegerpreis ein Regulator (Wanduhr) im Wert von 120 Franken, gefolgt von einem Schaf im Wert von 70 Franken. Unter anderem enthielt das Gabenverzeichnis folgende Preise: Kuhglocken, Kaffee-, Tee- und Raucherservices, eine Kiste Eierteigwaren, Kopfzigarren, Tabakschachtel, Herrenwesten, Filz- und andere Hüte, Überkleider, Nachthemd, Toilettenseifen, Kravattengarnitur, Bücher, Hasen und anderes mehr.

 

Auszug aus der Rangliste:

1. Dietschi Theodor, Luzern T           58.50
2. Oswald Heinrich, Rain S        57.75
3. Bühlmann Josef, Luzern T            57.25
4a. Buck Josef, Baldegg S                  57.00
4b. Röthlin Otto, Luzern S                57.00
7f.  Oswald Hans, Rain S            56.25

 

 Jubiläums-Chronik
Weitere Fotos vom ersten Kranzfest, welches der Schwingklub Rothenburg und Umgebung durchgeführt hat, sowie Bericht über weiteren Kranzfeste in Rothenburg und Umgebung gibt es in der Jubiläums-Chronik, 100 Jahre Schwingklub Rothenburg und Umgebung.

Die Chronik wird an der Jubiläums-Feier vom 21. September 2019 präsentiert und anschliessend an interessierte Schwingerfans verkauft. Details über den Verkauf der Jubiläums-Chronik werden zu einem späteren Zeitpunkt auf der Homepage publiziert.